Meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Weihnachten ist ein besinnliches Fest. Wir halten inne und fragen uns, was im Leben wirklich wichtig ist. Und das – da stimmen Sie mir sicher zu –, das sind vor allem immaterielle Werte. Selbstverständlich brauchen wir alle unser Auskommen, selbstverständlich sollten alle ausreichende Mittel zum Leben haben – doch wie leer wäre unser Dasein ohne Freude und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, ohne menschliche Nähe und gegenseitige Unterstützung. Was zählt, in unserem privaten Leben wie in unseren Gemeinden, das sind Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Weihnachten lädt dazu ein, an andere zu denken, an Menschen, die uns nahestehen, aber auch an Menschen, die Unglück oder Leid erfahren haben. Weihnachten lädt dazu ein, anderen eine Freude zu machen und dafür zu wirken, dass es ein bisschen besser zugeht auf unserer Welt. Wir Einzelne können gewiss nicht gleich alle Probleme lösen oder allen Menschen helfen, aber es ist schon viel geholfen, wenn wir nicht wegschauen, sondern hinsehen.

Ich bin sehr froh, dass sich viele Menschen in unserer Gemeinde für ihre Mitmenschen oder allgemeine Belange engagieren. Sie halten unsere Vereine am Laufen oder stärken die Freiwillige Feuerwehr und das DRK, sie wirken in der Nachbarschaft oder in karitativen Organisationen, engagieren sich im Gemeinderat. Was sie auch tun – sie tragen dazu bei, dass es sich in Bingen, Hitzkofen, Hornstein und Hochberg gut leben lässt; sie machen unsere Welt wärmer und freundlicher; sie zünden – nicht nur zur Weihnachtszeit – viele Lichter an, die weithin strahlen. Hierfür danke ich Ihnen im Namen der ganzen Gemeinde.

Angesichts all der Krisen und Konflikte in unserer Welt, angesichts der großen Nöte, unter denen viele Menschen zu leiden haben, angesichts all dessen kann man sich schon fragen, wo eigentlich das Positive bleibt. Aber das Positive ist noch da, es ist mitten unter uns. Es findet nur nicht so leicht den Weg in die Schlagzeilen, es bekommt nicht so viel mediale Aufmerksamkeit. Das Positive, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sind die Menschen, die sich umeinander kümmern, in der Familie, in der Nachbarschaft, im eigenen Ort, oder die sich für mehr Lebensqualität, mehr Gerechtigkeit oder für Frieden einsetzen.

Die Weihnachtsbotschaft spricht auch heute, 2000 Jahre, nachdem sie in die Welt gekommen ist, die Menschen an. Frieden auf Erden, Mitmenschlichkeit, ein Zeichen der Hoffnung – das hat nicht nur Christen etwas zu sagen. Das sind Werte, die auch andere teilen, das umschreibt eine Welt, die sich alle wünschen.

Die meisten von uns kennen die biblische Weihnachtsüberlieferung und verbinden mit ihr eine Geschichte voller Hoffnung. Aber die Weihnachtsgeschichte beschreibt auch eine traurige Realität. Sie erzählt von einem Paar, das in einem Stall einen Platz für sich findet, das für sein gerade geborenes Kind nur eine Krippe hat und das sich kurz nach dieser Geburt, um das eigene Leben zu retten, auf die Flucht begeben muss. Und damit erzählt sie nicht nur eine alte Geschichte, sondern ist ganz aktuell. Auch heute passiert es Tag für Tag, dass Menschen keinen richtigen Platz im Leben finden und dass Menschen fliehen müssen. Die große Flüchtlingswelle nach Deutschland ist offensichtlich vorüber. Doch der Schein trügt, denn mit über 70 Mio. Menschen weltweit ist ein negativer Rekord von Flüchtenden erreicht worden. Menschen, die vor Gewalt, Krieg, Repressalien, Perspektivlosigkeit, Hunger oder Klimaveränderungen ihre Heimat verlassen haben und nach einer neuen Bleibe suchen. Sie suchen kein gemachtes Bett, sondern eine Chance auf ein menschenwürdiges Dasein für sich und ihre Kinder. Wir sollten die Weihnachtsgeschichte in Erinnerung rufen, um die Geschichte der heutigen Flüchtlinge besser verstehen zu können. Die Weihnachtsgeschichte kann uns helfen, den Flüchtenden in der Welt oder direkt vor unserer Haustür mit Respekt zu begegnen.

Für das Jahr 2020 wünsche ich Ihnen, auch im Namen des Gemeinderats und der gesamten Verwaltung, Gesundheit, Frieden und Glück.

Herzliche Weihnachtsgrüße

Ihr

Jochen Fetzer
Bürgermeister