Geplantes Wärmenetz – Informationsveranstaltung

Aufgrund der vielen Nachfragen zum Stand der Planungen zum Wärmenetz in Bingen veranstalteten die Gemeinde und die Firma Solarcomplex eine Informationsveranstaltung in der Sandbühlhalle. Projektleiter Jörg Dürr-Pucher von Solarcomplex freute sich über eine mit rund 200 Zuhörern gut gefüllte Sandbühlhalle.

Das Projekt wurde Ende des Jahres 2020 ins Leben gerufen. In einer ersten Abfragerunde hatten rund 500 Haushalte Interesse an einem Wärmeanschluss. Zunächst war geplant, dass man Ende des Jahres 2021 bereits Lieferverträge mit einer konkreten Preisgestaltung anbieten kann. Allerdings hat sich dieser Zeitplan aufgrund verschiedener Umstände verzögert. Nicht zuletzt sorgt noch ein ausstehender Beschluss der Bundesregierung zur Förderung von Wärmenetzen für die Hängepartie. Jörg Dürr-Pucher zeigte auf, dass die Bundesförderung enorm wichtig für das Binger Wärmenetz ist um konkurrenzfähige Preise bieten zu können. Hätte man in der Gemeinde Großabnehmer wie Hotels, Krankenhäuser, Schwimmbäder oder ähnliche Einrichtungen mit hohem Wärmebedarf wäre die Förderung nicht der entscheidende Faktor. Durch die homogene Siedlungsstruktur mit überwiegend Einfamilienhäuser sieht die Sache jedoch etwas anders aus, weshalb die Entscheidung an höherer Stelle abgewartet werden muss. Weiterhin sind die technischen Herausforderungen an das Netz relativ groß. So stellt die Lauchert ein Hindernis dar, welches mit höherem Aufwand überwunden werden muss. Das Anhängen der Leitung an die bestehenden Brücken ist vermutlich nicht möglich, so dass die Unterquerung des Flusses in Betracht gezogen werden muss. Des weiteren möchte man das Verlegen des Wärmenetzes mit der Einbringung von Glasfaserkabel – und wenn möglich auch von Stromleitungen – verknüpfen. Hier müssen mehrere Leitungsträger unter einem Hut gebracht werden.

Der neue Zeitplan sieht nun vor, dass – vorausgesetzt die Entscheidung über die Bundesförderung fällt in den nächsten Wochen – im Frühjahr 2022 Bezugspreise für die Wärme sowie die sonstigen Anschlussbedingungen in einer öffentlichen Veranstaltung bekannt gemacht werden können. Sofern die Resonanz entsprechend groß ist, erfolgt der Startschuss für das Projekt. Ausgehend von einem Heizhaus und einer Freiflächensolaranlage im Gewerbegebiet Sigmaringer Straße erfolgt die Erschließung eines ersten Bauabschnittes in den Jahren 2023 und 2024. Dieser Bauabschnitt umfasst voraussichtlich die Bereiche Leuteberg, Baugebiet Stetten und alter Ortskern von Bingen. In den darauffolgenden Jahren schließen sich zunächst die übrigen Gebiete östlich der Inneringer Straße an bevor das Netz am Stöckberg und dem Baugebiet Elogiuskapelle seinen Abschluss finden wird. Aus heutiger Sicht gibt es in Hitzkofen noch zu wenig Interessenten weshalb man abwarten müsse wie sich hier die Nachfrage entwickelt.

Aufgrund der bereits beschriebenen Abnehmerstruktur warb Jörg Dürr-Pucher nochmals für das Projekt. Nur mit einer hohen Anschlussquote kann es zum Erfolg führen. Das sich ein Wärmenetz lohnen kann, zeigen sich gute Beispiele aus anderen Kommunen. Die Abkoppelung vom Öl- oder Gaspreis und von der CO2– Bepreisung macht man sich nicht mehr von den teilweise rasanten Auf- und Abbewegungen der Brennstoffpreise abhängig. Lag der Ölpreis bspw. im vergangenen Jahr noch bei rund 40 Cent pro Liter, so müssen die Kunden aktuell rund 90 Cent bezahlen. Mit einem Wärmeanschluss kann man bequem heizen und braucht sich nicht mehr selbst um seine Anlage und deren technischen Fortschritt kümmern. Ändern sich die gesetzlichen oder technischen Anforderungen an die Wärmequelle, so ist der Betreiber des Wärmenetzes für eine entsprechende Änderung verantwortlich.

Die öffentliche Fragerunde wurde genutzt, um insbesondere die Preisentwicklung beim Wärmenetz nachzuvollziehen. Das Preismodell ist so angelegt, dass in den Verträgen eine Preisgleitklausel enthalten ist, die sich im wesentlichen am Holzpreis (die Heizzentrale wird mit Hackschnitzeln bestückt) und an der Inflationsrate bemisst. Der Preis ist für die gesamte Gemeinde einheitlich, unabhängig davon, wann ein Bauabschnitt erschlossen wird und wie weit sich ein Gebäude von der Heizzentrale entfernt befindet. Herr Dürr-Pucher konnte einem Fragesteller die Sorge nehmen, ob auf der dem Heizhaus gegenüberliegenden Ortsseite noch genügend Wärme ankommt.

Bürgermeister Jochen Fetzer beschloss die Versammlung mit der Hoffnung, dass möglichst viele Haushalte an dem Projekt teilnehmen: „Wir haben es selbst in der Hand, das Projekt zum Erfolg zu führen, in dem wir mitmachen“. Er hält den Ansatz für zukunftsweisend, insbesondere auch durch die Auswirkungen der Klimaveränderung, die sich immer mehr auch in politischen Entscheidungen, gerade auch zum Thema Heizen, niederschlagen.

Der Vortrag von Solarcomplex ist nachfolgend abrufbar.

2021-10-22-Projektvorstellung-Bingen-Stand der Dinge-final TEIL 1
2021-10-22-Projektvorstellung-Bingen-Stand der Dinge-final TEIL 2

Informationsveranstaltung Wärmenetz Bingen am 26. Oktober 2021 um 19.30 Uhr in der Sandbühlhalle

Achtung: Für die Veranstaltung gelten die 3G-Regeln, d.h., nur getestete, geimpfte oder genesene Personen dürfen teilnehmen.

Wichtige Planungsfortschritte in den vergangenen Monaten
In den vergangenen Monaten hat die solarcomplex AG im Auftrag der NRS Nahwärmeregion Sigmaringen weiter intensiv an den Planungen für das Wärmenetz Bingen gearbeitet. Neben der Sicherung und ökologischen Bewertung der Grundstücke für die geplante solarthermische Anlage und der Auswahl von geeigneten und konkret umsetzbaren Standorten für Heizhaus und Pufferspeicher, stand dabei insbesondere die technisch anspruchsvolle Querung der Lauchert im Mittelpunkt der technisch geprägten Aktivitäten der Projektentwicklung.

Es galt aber auch einige juristische und planerische Herausforderungen zu bewältigen. Mittlerweile ist es gelungen, die Genehmigung der Gemeindeprüfungsanstalt für den zwischen der Gemeinde Bingen und der solarcomplex AG in den letzten Monaten verhandelten und in mehreren Gemeinderatssitzungen beschlossenen Gestattungsvertrag zu erhalten. Für das Solarfeld ist eine Änderung der Flächennutzungsplanung und ein Bebauungsplan erforderlich. Auch die notwendigen Diskussionen mit den Akteuren, die Glasfaser mitverlegen könnten und die Abstimmung mit der Netze BW als Betreiberin des örtlichen Stromnetzes werden weiter vorangetrieben. Denn im Rahmen der Verlegung des Wärmenetzes in Bingen soll die Stromversorgung, die heute noch weitgehend über Dachständer erfolgt, unter die Erde verlegt werden.

Unklarheit wegen Fördersituation auf Bundesebene
Nicht beeinflussen können die Beteiligten dagegen weiterhin die seit zwei Jahren andauernden Unsicherheiten in der Förderlandschaft der Wärmewende der Bundesrepublik Deutschland. Der für Anfang des Jahres 2021 angekündigten Verabschiedung der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) hat die Bundesregierung bis zum heutigen Tage keine Taten folgen lassen. Bis vor wenigen Wochen war die Ankündigung eines Inkrafttretens vor der Bundestagswahl versprochen. Aktuell ist das Inkrafttreten für Ende Oktober 2021 angekündigt. Auch dieser Zeitpunkt ist aber weiterhin unsicher. Deshalb bleibt unklar, ob es eine Förderung in Höhe von 40 % der Investitionskosten gibt oder wie bislang nur eine Förderung, die zwischen 25 und 33 % der Investitionskosten liegen kann. Für die Wärme aus der solarthermischen Anlage soll es zudem über einen Zeitraum von zehn Jahren eine Förderung pro ins Netz eingespeiste Kilowattstunde Wärme geben.

Zudem wird sich die Förderung des Bundes je nach Größe des Wärmenetzes auch qualitativ hinsichtlich des förderunschädlichen Anteils der Biomasse unterscheiden und es könnte die Notwendigkeit einer Machbarkeitsstudie geben. Aus diesen Gründen ist es bislang für die Nahwärme Region Sigmaringen unmöglich, die Planungen für das Solarenergiedorf Bingen abzuschließen und einen Wärmepreis für das geplante Solarenergiedorf in Bingen zu definieren.

Informationsveranstaltung in der Sandbühlhalle
Die Gemeinde Bingen und die solarcomplex AG werden deshalb am 26. Oktober 2021 um 19.30 Uhr in der Sandbühlhalle in Bingen eine weitere öffentliche Informationsveranstaltung durchführen. Dabei wird über den Stand der Dinge und die verschiedenen zeitlichen und planerischen Optionen berichtet. Dies ist insbesondere für die Bürgerinnen und Bürger interessant, deren Häuser im geplanten Bauabschnitt eins in Bingen liegen. Jörg Dürr-Pucher, Leiter Projektentwicklung bei der solarcomplex AG hofft, dass der durch die unklare Planungssituation eingetretene Zeitverzug im Laufe des Projekts aufgeholt werden kann.

Haben Sie dringenden Beratungsbedarf?
Die ersten Hausbesuche, die bereits für den Sommer 2021 geplant waren, können sinnvoll erst dann erfolgen, wenn die Wärmepreise festgelegt worden sind. Nur dann können technische und wirtschaftliche Themen mit den Kunden besprochen werden. Die aktuellen Unsicherheiten sind besonders für diejenigen Haushalte nicht zumutbar, die bei ihren bestehenden Heizungen technische Schwierigkeiten haben und bereits zur Heizperiode 2022/2023 eine Ersatzinvestition vornehmen müssen. Mit diesen Haushalten wollen die Planer der solarcomplex AG in den kommenden Wochen separat und persönlich sprechen. Deshalb bitten wir Sie ganz herzlich, entweder über das Rathaus oder direkt über Herrn Luis Lang (lang@solarcomplex.de), der als Projektingenieur für die Planung in Bingen verantwortlich ist, Kontakt aufzunehmen.