Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

genau vor vier Wochen begann mit der Schließung des Kindergartens und der Schule sowie weiterer öffentlichen Einrichtung der sogenannte Shutdown, also das Herunterfahren des öffentlichen Lebens. Die Einschnitte in unser Leben, in unseren Tagesablauf, sind unterschiedlich. Manche bangen um ihre Existenz, weil sie z.B. als Selbständige auf Einnahmen angewiesen sind, aber nicht arbeiten dürfen. Andere wiederum leisten Überstunden, um das System am Laufen zu halten. Was aber alle mehr oder weniger gleich trifft, sind die Einschränkungen in den persönlichen Kontakten zu anderen Menschen. Gerade an Ostern hat man diese Begegnungen schmerzlich vermisst – ganz abgesehen von lange ersehnten Urlauben oder Freizeitphasen.

Dass aber die Maßnahmen in Deutschland greifen, zeigen die Zahlen des Robert-Koch-Instituts ganz deutlich. Unser Land hat im Vergleich zu ähnlich dicht besiedelten Ländern weit weniger Tote zu beklagen. Offensichtlich haben unsere Verantwortlichen richtig gehandelt und unsere Einwohner sind diszipliniert genug, die Vorgaben auch mitzutragen. In Bingen sind nach einer anfänglichen Welle Mitte März mit über 10 Infizierten die Zahlen wieder merklich gesunken. Die meisten Infizierten konnten als geheilt aus der Quarantäne entlassen werden. Coronabedingte Todesfälle mussten in unserer Gemeinde glücklicherweise noch nicht beklagt werden. Ich danke deshalb allen, die durch ihr konsequentes Handeln zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Einen weiteren Dank möchte ich all denjenigen aussprechen, die die Infrastruktur zur Grundversorgung in unserer Gemeinde aufrechterhalten. Dazu gehören beispielsweise die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Lebensmittelgeschäften, dem Getränkemarkt, der Arztpraxis oder der Apotheke. Ich freue mich, dass wir diese Einrichtungen in Bingen noch haben und um einzukaufen nicht zwingend auswärts gehen müssen.

Es gibt nicht wenige, die die heutige Zeit als die schlimmste nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnen. Offen gesagt, halte ich den Vergleich nicht unbedingt für passend. Im Krieg gibt es „Gegner“, die gezielt Schaden anrichten. Unser heutiger „Gegner“ ist mit dem Coronavirus ein Teil der Natur. Und die Natur richtet sich nach bestimmten Gesetzen, z.B. dass Ansteckungen nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich sind. Wir alle können uns gegen diesen „Gegner“ wehren, wenn wir die Ansteckungswege abschneiden und besonders gefährdete Personengruppen, wie ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen stärker schützen. Es wird sicherlich noch eine Weile dauern bis wir das Kapitel komplett abschließen können und es wird – sofern Lockerungen kommen – auch noch eine weitere Welle mit Ansteckungen zu erwarten sein. Bleiben Sie deshalb geduldig und leisten Ihren Beitrag zu einer gesunden Gemeinde und zu einem gesunden Land.

Herzlichst

Jochen Fetzer, Bürgermeister