Waldhaushalt 2021 – Wir kommen mit einem blauen Auge davon
Mit einem sehr interessanten Vortrag unterlegten Forstamtsleiter Stefan Kopp und Förster Günther Letsch die Zahlen des Forstwirtschaftsplans. Bei der Bewirtschaftung des Waldes sah man sich in den letzten Jahren großen Herausforderungen durch schwierige natürliche Rahmenbedingungen ausgesetzt. Neben Stürmen machte vor allem die Trockenheit dem Wald sehr zu schaffen. In Folge dessen nahm der Borkenkäferbefall stark zu. So zeigt der Waldzustandsbericht des Landes Baden-Württemberg bei über 40 % aller Hauptbaumarten eine deutliche Schädigung. Als Konsequenz fielen die Holzpreise, besonders beim Fichtenholz, in den vergangenen Jahren deutlich ab. Im Jahr 2020 konnte bspw. nicht einmal mehr der halbe Preis des Jahres 2014 erlöst werden. Warf der Wald in den letzten Jahren einen Erlös von durchschnittlich rund 150.000 € pro Jahr ab, so ist für die Jahre 2019 und 2020 ein Minus von rund 20.000 € zu verbuchen. Da die Situation nicht nur ein örtliches Problem darstellt, sondern flächendeckend vorkommt, haben Land und Bund großzügige Hilfsprogramme für die Waldbesitzer aufgelegt. Es gibt zwischenzeitlich eine Förderung für die Aufarbeitungen und den Transport von Schadholz, für das Entrinden oder für das Borkenkäfermonitoring. Auch ökologische Beihilfen für den Erhalt bestimmter Einzelbäume oder Baumgruppen sind möglich. Nicht zuletzt fördert der Bund alle zertifizierten Waldbesitzer mit einem bestimmten Betrag pro Hektar. Die Summe der Fördermöglichkeiten schlagen sich im Waldhaushalt 2021 mit rund 150.000 nieder. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir im Jahr 2021 nicht einen weiteren negativen Saldo einplanen, sondern auf ein Plus von rund 79.000 € hoffen dürfen.

Im kommenden Jahr wird sich der Gemeinderat mit dem Forsteinrichtungswerk beschäftigen. In diesem Plan werden die Ansätze für die Waldbewirtschaftung der nächsten 10 Jahre festgelegt. In den letzten Monaten fand deshalb eine Waldinventur statt, welche die Grundlagen für die 10-jährige Planung liefern soll. Forstdirektor Kopp zeigte erste Erkenntnisse aus der Waldinventur auf. So setzen sich die Bestände des Gemeindewaldes aus rund einem Drittel Fichten, 44 % Buchen und 23 % sonstigem Laub- und Nadelhölzern zusammen. Um den Klimaveränderungen standzuhalten ist es den Forstfachleuten wichtig, die letzte genannte Baumartengruppe weiter zu fördern, um eine größere Artenvielfalt – und damit eine Risikostreuung gegenüber natürlichen Einflüssen – zu erreichen. Bei der Waldbewirtschaftung wird darauf achtzugeben sein, hiebsreife Bestände zu schlagen, um die großen Bäume nicht zu sehr den Angriffen von Sturm und Käfer auszusetzen.

Für das Jahr 2021 wurde der Einschlag mit 8.000 Festmeter sehr vorsichtig gewählt. Sollte sich zeigen, dass die Holzpreise wieder anziehen, so kann hiervon auch abgewichen werden – der momentan gültige jährliche Hiebssatz liegt bei 10.000 Festmeter. Ein Schwerpunkt des kommenden Jahres liegt auf der Jungbestandspflege. Durch gezieltes Freistellen von bestimmten Flächen werden die gewünschten Baumarten gefördert, um in Zukunft einen stabilen Wald zu haben.

Zahlreiche Rückfragen aus dem Gremium zeigten das große Interesse am Gemeindewald. So wollte ein Gemeinderat wissen, ob die jetzige Form der Waldbewirtschaftung nicht der Funktion des Waldes als CO2-Speicher zuwider läuft? Herr Kopp zeigte auf, dass gerade die Bäume im wuchsfähigen Alter das meiste CO2 aufnehmen, während ausgewachsene Bäume diesen Effekt nicht so stark aufweisen. Wenn diese hiebsreifen Bäume geschlagen und zu Möbeln oder Dachstühlen etc. weiterverarbeitet werden, bleibt das CO2 in diesem Holz gebunden und entweicht nicht mehr ins Freie. Damit wird der gewünschte Effekt der CO2-Vermeidung am besten erreicht. Erst bei der Verbrennung des Holzes wird das CO2 wieder frei. Hierbei müsse jedoch auch bedacht werden, dass man mit einer Holzheizung andere Brennstoffe, die unter Umständen wesentlich klimaschädlicher sind, ersetzt. Der Forderung mancher Naturschutzverbände nach der Entwicklung von Urwäldern tritt der Forstamtsleiter deutlich entgegen. Urwälder sind im Endzustand CO2-gesättigt und haben in diesem Zusammenhang keine zusätzlichen Effekte mehr. Außerdem stellt sich dann die Frage, womit der Werkstoff Holz ersetzt wird, wenn er nicht mehr geerntet werden darf.

Weiterhin wurde die Forderung erhoben, auf die negative Erlössituation schnell zu reagieren. Sowohl die Förster als auch die erfahrenen Gemeinderäte baten darum, nicht in Panik zu verfallen. In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Phasen von Erlöseinbrüchen, welche sich im Nachgang wieder erholt haben.

Mehrheitlich beschlossen die Gemeinderäte den Fostwirtschaftsplan 2021.

Neubaugebiet – Ziel erreicht
Zwar liegt die Fertigstellung des Neubaugebiets bereits einige Monate zurück, doch zog sich die Abrechnung der Erschließungskosten noch in die Länge. Kämmerer Robert Kromer legte den Gemeinderäten die finanzielle Bilanz des Neubaugebiets vor. Der Aufwand für die Erschließung der 21 Bauplätze lag bei 1,368 Mio. €. Hierin enthalten sind der Grunderwerb, die Aufstellung des Bebauungsplans sowie die Herstellung von Straße, Beleuchtung, Wasserleitung und Kanälen. Außerdem sind Finanzierungszinsen angefallen, da die Abwicklung des Baugebiets über ein Sonderkonto lief. Außerdem rechnete die Verwaltung Positionen ein, die zwar Kosten im betriebswirtschaftlichen Sinne darstellen, wo aber keine Zahlungen geflossen sind. Hierunter fallen bspw. der Tausch von Grundstücken, die Einbringung von eigenen Flächen sowie die Abbuchung von Ökopunkten aus dem gemeindlichen Ökokonto zum Ausgleich des Eingriffs in die Natur. In der Summe sind dies rund 109.000 EUR.

Den Ausgaben stehen Bauplatzerlöse von 1,370 € gegenüber. Allerdings sind für sechs Bauplätze noch keine Zahlungen eingegangen, da sie noch nicht verkauft sind. Wenn dies dann erfolgt ist resultiert unter dem Strich ein leichtes Plus von 2.500 €. Damit hat der Gemeinderat sein Ziel einer vollen Kostendeckung erreicht. Man wollte weder einen Gewinn machen, da die Preise dann über den Marktniveau gelegen hätten, noch aus der Gemeindekasse etwas darauflegen.

Haushaltsplan – Beratungen begonnen
Mit der Einbringung des Haushaltsplans startete die Verwaltung die Beratungen für den Etat 2021. Die eigentliche Haushaltsberatung findet erst in der Januar-Sitzung des Gemeinderats statt. Dennoch übergab Kämmerer Robert Kromer bereits vor Weihnachten den Gemeinderatsmitglieder den umfangreichen Plan. Bedingt durch die Corona-Pandemie können die Gemeinden bundes- und landesweit nicht mehr auf die Einnahmen früherer Jahre zählen. So sind insbesondere im Bereich des Einkommensteueranteils und der Gewerbesteuer deutliche Einbrüche zu verzeichnen, wobei sich in Bingen der Gewerbesteuerrückgang noch in Grenzen hielt. Gepaart mit den Einbrüchen beim Gemeindewald sehen die Zahlen dennoch deutlich unfreundlicher aus als noch in den Vorjahren. Der laufende Haushalt zeigt für 2021 ein negatives Ergebnis von rund 123.000 €. Dieses wird voraussichtlich im Jahr 2022 nochmals sinken, und zwar auf rund 200.000 €. Erst 2023 geht man von einem Plus von 210.000 € aus. Die negativen Zahlen resultieren vor allem aus der Tatsache, dass die Gemeinden seit einigen Jahren ihre Abschreibungen erwirtschaften müssen. Schaut man ausschließlich auf den Geldfluss, sehen die Zahlen deutlich positiver aus. So ist die Gemeinde Bingen in der Lage ihren laufenden finanziellen Verpflichtungen nachzukommen und sogar noch einen Überschuss von rund 400.000 € zu erwirtschaften. Da noch Rücklagen aus den Vorjahren vorhanden sind braucht im Jahr 2021 kein Kredit aufgenommen werden, obwohl man plant, in den Rathausneubau einzusteigen. Allerdings sind für die Jahre ab 2022 rund 1,2 Mio. € neue Schulden vorgesehen, da das Großbauvorhaben die finanziellen Möglichkeiten doch sehr fordert.

Über die weitere Beratung des Haushaltsplans werden wir berichten.

Baugesuche
Die Bautätigkeit wird auch im kommenden Jahr nicht abreißen. Für nicht weniger als fünf Vorhaben erteilte der Bauausschuss das Einvernehmen. Dies sind im Einzelnen:

Neubau eines Zweifamilienwohnhauses in der Zeitblomstraße, Neubau eines Mutterkuhstalls in Hochberg, Neubau eines Pferdestalls in der Oberseestraße sowie eine Nutzungsänderung und ein Neubau im Baugebiet „Hinter dem Sportplatz“.