Informationsveranstaltung Wärmenetz Bingen am 26. Oktober 2021 / 3G-Regeln gelten

Die Gemeinde Bingen und die solarcomplex AG werden am 26. Oktober 2021 um 19.30 Uhr in der Sandbühlhalle in Bingen eine weitere öffentliche Informationsveranstaltung durchführen. Dabei wird über den Stand der Dinge und die verschiedenen zeitlichen und planerischen Optionen berichtet.

Achtung: Für die Veranstaltung gilt die 3G-Regelung, d.h., es dürfen nur getestete, geimpfte und genesene Personen teilnehmen.

 

Nächster Bauabschnitt am Friedhof beginnt

Schritt für Schritt wird das Sanierungskonzept auf dem Friedhof umgesetzt. Nach der Anlegung des Baumhains und der befestigten Hauptwege steht nun der Bereich zwischen der Leichenhalle und dem Kriegerdenkmal an. In diesem Zusammenhang wird auch die marode Treppe in Richtung Kirchberg erneuert. Die Firma Hammer hat vor wenigen Tagen mit den Abbrucharbeiten an der Treppenanlage begonnen. Nächste Woche erfolgt der Neuaufbau der Treppe und anschließend geht es mit den Arbeiten im Friedhof weiter.

Neues Schreckbuch in Belgien erschienen

Johannes Schreck wurde 1576 in Bingen geboren  und starb 1630 in Peking. Er war ein angesehener Universalgelehrter und mit vielen damals berühmten Persönlichkeiten befreundet, z.B. mit Galileo Galilei aus Padua. In Bingen feierten wir 2011 ein „Schreckjahr“ mit vielen Vorträgen, einem Theaterstück und einer Ausstellung im Gedenken an seinen Beitritt zum Jesuitenorden in Rom. 2018 jährte sich zum 400. Mal seine Abfahrt aus Lissabon nach China, an die wir mit einem Schiffsmodell auf dem Lammareal erinnerten. Professor Zettl und Professorin von Collani brachten 2016 ein wissenschaftliches Buch über ihn heraus, das inzwischen als Standartwerk gilt.

Kürzlich ist ein weiteres wissenschaftliches Buch über ihn mit einigen Neuigkeiten erschienen. Professor Noel Golvers von der Universität Leuwen in Belgien recherchierte hauptsächlich die verschiedenen Reisen von Schreck durch Europa und beschäftigte sich mit den Büchern, die für die Chinamission damals gesammelt wurden. Insofern stellt das Golvers  Buch eine wichtige Ergänzung des Werkes von Zettl/von Collani dar. Schon früher war bekannt, dass der Bingener mit dem aus China zurückgekehrten Jesuitenpater Nicolas Trigault eine „Werbereise“ durch Mitteleuropa zu vielen Fürstenhöfen und Klöstern unternahmen, um für die Chinamission Geld, Bücher  und Sachspenden zu sammeln.

Neu nach Golvers ist nun, dass Schreck nach seinem Studium in Freiburg zunächst seine medizinische Ausbildung in Basel bei den bekannten Lehrern Platter, Bauhin und Zwinger fortsetzte und im Jahr 1600 bei der Feier des Jubeljahres, das Papst Clemens VIII. organisierte, in Rom anwesend war. Letztlich begann Schreck damit eine etwa zehnjährige Wanderzeit, die ihn nach Paris, Padua (zu Galilei), Siena, bis nach Hamburg, Rostock, Wittenberg, Breslau, Prag und über Basel wieder zurück nach Rom führte. Der Umfang dieser Reisen war bisher so nicht bekannt. An den Universitäten hielt Schreck „Privatvorlesungen“, heute könnte man sagen „Meisterkurse“.

Dabei hat sich 1607 in Rostock folgende Geschichte zugetragen: Schreck äußerte sich öffentlich kritisch über den protestantischen Altphilologen Scaliger und geriet dabei in eine handfeste Auseinandersetzung mit dem Professor für Geschichte  Ignatius Hanniel. Dieser berichtete an einen Freund, „… dass ein gewisser Johannes Terrentius gezwungen wurde, mit verstümmelter Nase und verstümmelten Ohren (zu) flüchten … , sonst wäre er noch heftiger verprügelt worden und hätte gar sein Leben aufs Spiel gesetzt.“ (Golvers, S. 199) Interessant dabei ist, dass Dr. Michael Rupprecht aus Sigmaringen schon in seinem Beitrag „Das entstellte Gesicht“ im Buch von Collani/Zettl (2016)  auf dem Schreck Porträt von Peter Paul Rubens eine Gesichtsverletzung erkannt hatte, die er auf einen „Faustschlag“ zurück führte. Genau das hat sich nun bestätigt.

Zum Ende seiner Wanderjahre finden wir Schreck wieder in Rom, wo er 1611 bekanntlich in den Jesuitenorden eintrat. Hat der Streit an der protestantischen Universität Rostock diesen  Entschluss ausgelöst, mindestens bestärkt?

Die nächste Zeit von Schreck ist bekannt: Noviziat in Rom, Theologiestudium, Priesterweihe. Der Jesuit Trigault kam in dieser Zeit aus China nach Rom zurück mit dem Auftrag, wissenschaftlich gebildete Missionare zu finden (anstehende Kalenderreform in China)  und für die Mission zu werben. Dafür wurde  Johannes Schreck ausgewählt. Er wurde Begleiter und Berater von Nicolas Trigault. Jetzt begann seine zweite große Reisetätigkeit, bei der er auf ein großes Netzwerk von Freunden und Bekannten zurück greifen konnte.

Golvers beschreibt die verschiedenen Reisewege genau und berichtet u.a. von einem Erlebnis in Zabern, wo sich der Hof des damaligen Erzherzogs Leopold V. von Vorderösterreich befand. Leopold erklärte Schreck, dass er ihn als privaten Ratgeber und Beichtvater behalten will. Schreck berichtet von Kämpfen, die er durchstehen musste, bevor er die Erlaubnis erhielt, weiter zu ziehen. Bei dieser Reise 1616 besuchte Johannes Schreck auch letztmals seine Heimat Bingen.

Was war das Ziel dieser Reisen? Schon Zettl berichtet von Büchern und astronomischen Geräten, die mit nach China genommen wurden. Golvers listet nun alle Titel genau auf: Über 700 Exemplare eine fast unglaubliche Anzahl!  Von 1615 bis 1618 zog Schreck hauptsächlich durch Europa, um besondere Bücher zu erwerben. Er  besuchte z.B. die Buchmesse in Frankfurt, wichtige Verlage in Augsburg, München oder Antwerpen und nicht zuletzt die großen Bibliotheken. Schreck sammelte breitgefächert, aber systematisch. Für die Arbeit in China waren astronomische, medizinische, pharmazeutische, botanische, mathematische und technologische Werke wichtig. Er war für diese Aufgab bestens geeignet. Sein Wissen und seine Kontakte zahlten sich nun reichlich aus. Am Ende konnten über 700 Bände in Lissabon aufs Schiff geladen und nach Peking transportiert werden.  Sie bildeten den Grundstock der Jesuitenbibliothek Nantang, sie war für die Mission und für den kulturellen Austausch zwischen Europa und China von größter Bedeutung und existiert überwiegend heute noch.

Und wer bezahlte das alles? Bücher waren sehr teuer! Golvers präsentiert beispielhaft eine Rechnung mit genauen Buchtiteln aus Antwerpen in Höhe von 1.900 Gulden. Finanziell unterstützt wurde Schreck von  einigen Adligen (Herzöge von Bayern) und bekannten Kaufleuten (Fugger aus Augsburg), zu denen er ein persönliches Verhältnis hatte und von vielen weiteren Freuden. Jesuitenuniversitäten wie Ingolstadt und Dillingen steuerten gesuchte Exemplare bei.  Nicht zuletzt Bischöfe und Papst Paul V. selbst förderten die Mission mit gesuchten Bänden  und seltenen Instrumenten. Alles in allem konnte Schreck persönlich auch von den gesammelten Werken bei seinen chinesischen Veröffentlichungen über Mechanik, Anatomie und Astronomie  profitieren.
(Tillo Brükner)

Siehe: Noel Golvers, Johann Schreck Terrentius, SJ, His European Netwerk and the Origins oft the Jesuit Library in Peking, 2020 Brepols Publishers, Turnhout, Belgien (in englischer Sprache)