Bericht aus der Gemeinderatssitzung vom 28.06.2021

Waldbegang
Um den Tagesordnungspunkt „Forsteinrichtung“ vorzubereiten, hielt der Gemeinderat einen Waldbegang ab. In der Abteilung Leutefelder Fohren, in der Nähe der Erddeponie, zeigten die stellvertretende Forstamtsleiterin Juliane Spiegelhalter, Forsteinrichter Andreas Kaphegyi von der Landesforstverwaltung sowie Förster Günther Letsch anhand von anschaulichen Beispielen, wie die Waldbewirtschaftung der nächsten 10 Jahre aussehen soll. Die vier Forstwirte der Gemeinde waren ebenfalls Gäste des Waldbegangs.

Die Forstfachleute zeigten zunächst eine deutlich fichtengeprägte Fläche. Die großen Fichten sollen in den nächsten Jahren entnommen werden, so lange sie noch werthaltig sind. Es besteht nämlich die Gefahr, dass sie durch natürliche Einflüsse (Sturm, Dürre, Käfer) nachhaltig geschädigt werden. Unter den großen Bäumen warten bereits die jungen, vielfältigen Nachkommen der sog. Naturverjüngung. Dies sind Bäume, die durch natürliche Versamung entstanden sind. Anhand weiterer Waldbilder wurde veranschaulicht, wie sich eine Naturverjüngung weiterentwickelt und wie der Forst durch aktive Beimischung von weiteren Baumarten, wie z.B. der Douglasie, den Wald in die gewünschte Richtung bringt. Es ist das Ziel, eine möglichst breite Baumartenvielfalt zu erreichen. Dadurch wird der Wald stabiler und weniger anfällig für den Temperaturanstieg im Zuge des Klimawandels.

 

 

Forsteinrichtungswerk beschlossen
Das Forsteinrichtungswerk ist ein wichtiger Grundstein für die Bewirtschaftung der Kommunalwälder. Auf ihr werden die jährlichen Betriebsplanungen aufgebaut. Die Verantwortlichen zeigten, dass das Forsteinrichtungswerk nicht einfach nur nach „Lust und Laune“ entsteht, sondern nach verschiedenen Grundsätzen aufgebaut ist. Oberstes Prinzip ist die im Landeswaldgesetz vorgeschriebene Nachhaltigkeit der Waldnutzung. Diese besagt, dass nur so viel Holz geschlagen werden darf wie nachwächst. Um diese Zahlen besser abschätzen zu können, ist dem Forsteinrichtungswerk eine Betriebsinventur vorangegangen. Diese wurde aus Neutralitätsgründen vom Land erstellt. Die Betriebsinventur wurde aufgrund von Stichproben erhoben und mit den Werten der letzten Inventur (2012) verglichen. Demnach ist der Holzvorrat im Gemeindewald um 6% gesunken, was jedoch innerhalb des statistischen Fehlerrahmens liegt. Neben den Vorgaben des Landeswaldgesetzes und der Betriebsinventur werden in die Forsteinrichtung auch die waldbaulichen Ziele der Gemeinde einbezogen. So hat der Gemeinderat im Jahr 2020 ein Zielepapier erarbeitet, in dem mehrere Bereiche abgedeckt werden. So soll der Wald auf die kommende Klimaveränderung bestmöglich vorbereitet sein. Dies gelingt nur durch eine stärkere Baumartenmischung. Weiterhin soll der Gemeindewald auch in Zukunft Brennholzlieferant sein und einen wirtschaftlichen Beitrag für die Gemeindekasse abwerfen. Die Gemeinderäte wünschten sich außerdem einen moderaten Anstieg des Holzvorrates. Damit ist die Nutzung „nicht auf Kante genäht“, wodurch nach außerplanmäßigen Ereignissen (Sturm, Käfer etc.) mit einem vertretbaren Holzvorrat weitergearbeitet werden kann.

In den letzten Monaten war es die Aufgabe von Andreas Kaphegyi, Forsteinrichter bei der Landesforstverwaltung, zusammen mit dem Förster und dem Kreisforstamt, einen Vorschlag für die Nutzung im Gemeindewald bis zum Jahr 2030 zu erarbeiten. Eine wichtige Kenngröße ist dabei der jährliche Hiebssatz. Dieser gibt an, wieviel Holz eingeschlagen werden soll. Mit 8.400 fm liegt dieser deutlich unter dem jetzigen Hiebssatz von 10.000 fm, und auch unter dem Wert der Forsteinrichtung 2002 bis 2011 (9.000 fm). Damit ist gewährleistet, dass der vom Gemeinderat gewünschte moderate Vorratsaufbau zustande kommt. Bei der Bewertung der Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, dass man in den vergangenen Jahren das ausgegebene Ziel von 10.000 fm fast nie erreicht hat; im Durchschnitt lag der Einschlag bei rund 9.400 fm.

Beim Waldbau liegt ein Schwerpunkt auf der Ernte von Fichten-Althölzern. Gerade ältere Bäume sind anfälliger gegenüber Sturm und Käfer, so dass es nicht mehr gewinnbringend abgesetzt werden kann. Die dadurch freiwerdenden Flächen werden für die Einbringung klimastabilerer Baumarten wie Douglasie, Lärche, Eiche oder Spitzahorn genutzt. Diese werden teilweise gepflanzt, aber auch über Naturverjüngung entstehen. Gerade in der Naturverjüngung ist man auf die Kooperation mit den Jägern angewiesen, denn ein ordentliches Abschussniveau hält den Wildbestand in erträglichen Grenzen.

Grundsätzlich befürworteten die Gemeinderäte die Rücknahme des Hiebsatzes, da man nicht auf Kosten der Zukunft leben wolle. Man stellte sich sogar die Frage, ob man in den vergangenen Dekaden zu hohe Werte eingeplant habe. Dies verneinte Frau Spiegelhalter. Die Festlegung des Hiebsatzes kann durchaus variieren, ohne gleich falsch zu sein. Je nach Art der Waldbewirtschaftung kann dies zu höheren oder niedrigen Zahlen führen, ohne dass man die Nachhaltigkeit verlasse. Die Kehrseite eines geringeren Hiebsatzes ist natürlich eine geringere vermarktbare Holzmenge und damit geringere Einnahmen. Ob dies gleich zu einem Minus im Gemeindewald führt bezweifelte der Forsteinrichter. In Jahren mit normalen Holzpreisen bleibt ein Überschuss. Förster Günther Letsch zeigte anhand eines Beispiels auf, dass es auch mit geringerem Einschlag zu guten Ergebnissen kommen kann; so hat die Gemeinde im Jahr 2015 mit 8.800 fm Einschlag einen Überschuss von über 150.000 EUR erwirtschaftet. Unbestritten ist, dass durch die Beschäftigung der vier Forstwirte Fixkosten vorhanden sind, die man decken muss. Vermutlich wird man in den kommenden Jahren finanziell kleinere Brötchen backen. Alle Beteiligten waren sich jedoch einig, dass der Einsatz der eigenen Waldarbeiter mit ein Garant für eine gute Waldentwicklung ist. Auch die Arbeit des Försters wurde gelobt – er ist bereits relativ früh in die heute übliche Form der Waldbewirtschaftung eingestiegen.

Nach der Aussprache stimmte der Gemeinderat einvernehmlich für das vorgelegte Forsteinrichtungswerk.

 

Antrag auf Verbissschutzmittel abgelehnt
Der Gemeinderat behandelte einen Antrag des Jagdbogens Hitzkofen Nord auf die Stellung von Verbissschutzmittel. Begründet wurde der Antrag mit dem Ansinnen der Gemeinde, künftig mehr Baumarten in die Wälder einzubringen, welche nur mit einem erhöhten Schutz hochkommen. Neben der Bejagung ist das Streichen der Bäume mit Verbissschutzmitteln geeignet, das Ziel zu erreichen. Vom Förster wird der Einsatz solcher Mittel bei besonders gefährdeten Baumarten wie z.B. bei der Tanne befürwortet. Allerdings haben sich die Jäger über eine sogenannte Zielvereinbarung zur Rehwildbewirtschaftung zur Übernahme dieser Kosten verpflichtet. Die Hauptbaumarten wie Fichte oder Buche sollten allerdings auch ohne weiteren Schutz durchkommen, so sieht es der Jagdpachtvertrag vor. Bürgermeister Jochen Fetzer rechnete außerdem vor, dass die Jäger bei erfolgreicher Jagd gut belohnt werden. So hat die Gemeinde in den neuen Jagdpachtverträgen eine Prämie ausgelobt, wenn sich nach jeweils drei Jahren der Wildverbiss positiv entwickelt. Dies kann im Revier Hitzkofen Nord im besten Fall eine vierstellige Summe sein. Wenn die Jagdpächter in das Verbissschutzmittel investieren und gezielt anbringen, dann übersteigt die Erfolgsprämie der Gemeinde die Kosten des Mittels um ein Vielfaches.

Nach der Abwägung von Für und Wider stimmte der Gemeinderat letztendlich mit knapper Mehrheit für die Ablehnung des Antrags. Im Tenor hieß es, dass man mit dem Abschluss der Jagdverpachtung vernünftige Rahmenbedingungen für alle Beteiligten geschaffen hat. Für ein Nacharbeiten an diesen Grundlagen sah die Mehrheit keinen Grund.

 

Freiflächen-PV-Anlage Hornstein
Am 22.3.2021 beriet der Gemeinderat einen städtebaulichen Vertrag mit der EnBW, worin die Rahmendaten zur Errichtung der Freiflächen-Photovoltaikanlage im Gewann Längenfeld (nördlich von Hornstein) geregelt werden. Man war sich bei zwei Punkten nicht einig geworden, so dass die EnBW nachgearbeitet hat. Im wesentlichen folgte das Unternehmen der Argumentation der Gemeinde. Die Rückbaubürgschaft wurde an eine Inflationsrate angepasst und nun mit 9 EUR/kWp (vorher 5 EUR/kWp) festgelegt. Außerdem ist die Übertragung der Anlage auf einen Rechtsnachfolger nun zustimmungspflichtig. Bisher war vorgesehen, ein solches Geschäft nur bei der Gemeinde anzuzeigen.

Der Gemeinderat war mit den Änderungen einverstanden und stimmte dem Abschluss des Vertrages zu.

 

Baugesuche
Einstimmig erteilte der Gemeinderat das Einvernehmen zum Umbau von zwei Wohnhäusern in der Wendelinstraße (Hochberg), zum Ausbau eines Dachgeschosses in der Lauchertstraße (Bingen), zum Einbau einer Gaube in der Fürst-Friedrich-Straße (Bingen) sowie zum Neubau eines Einfamilienhauses in den Hopfengärten (ehem. Lammareal, Bingen).

 

Schuldenstände
Der Vorsitzende informierte, dass sich die Verwaltung entschieden hat, ein am Monatsende auslaufendes Darlehen zurückzuzahlen. Die Liquidität bei der Gemeindekasse ist gut, so dass man bereits Verwahrgelder an die Banken zahlt. Mit der Rückzahlung von knapp 170.000 EUR kann der Schuldenstand bis zum Jahresende auf 63.000 EUR zurückgefahren werden. Das sind 23 EUR pro Einwohner; der Landesschnitt vergleichbarer Gemeinden liegt bei 743 EUR! Außerdem ist zwischenzeitlich das Sonderkonto zur Finanzierung des Neubaugebiets aufgelöst, so dass auch aus diesem Bereich keine Schulden mehr vorhanden sind.

 

EnBW reißt Gartenstraße auf
Die EnBW wird in Kürze in der Gartenstraße eine neue Mittelspannungsleitung verlegen. Aufgrund eines dortigen Kabelschadens – Ursache eines Stromausfalls Anfang Juni – besteht dringender Handlungsbedarf. In diesem Zuge wird die Gartenstraße zwischen der Einmündung Goethestraße und dem Fußweg zum Stöckberg aufgerissen.

 

Straßenbeleuchtung brennt länger
Bereits im letzten Jahr wurde ein Antrag aus der Mitte des Gemeinderats zur Verlängerung der Brenndauer der Straßenbeleuchtung an den Wochenenden genehmigt. Aufgrund der Coronapandemie mit den zusammenhängenden nächtlichen Ausgangssperren hat man jedoch mit der Umsetzung noch gewartet. Ab sofort brennt die Beleuchtung von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag 1,5 Stunden länger. Das Licht geht erst um 2 Uhr aus.

 

Baugenehmigung für das neue Rathaus ist da
Der Bürgermeister vermeldete, dass die Baugenehmigung für das neue Rathaus vorliegt. In der nächsten Gemeinderatssitzung wird über die Ausschreibung des Großprojektes beraten.