Bericht aus der Gemeinderatssitzung am 02.12.2019

Forstergebnis sinkt
Zur sogenannten „Waldsitzung“ begrüßte der Vorsitzende den Betriebsleiter Jörg Scham sowie die Förster Günther Letsch und Lorenz Maichle. Die Forstfachleute berichteten über die derzeit laufenden Arbeiten im Gemeindewald. So wird zum Beispiel gerade die neue periodische Betriebsplanung vorbereitet. Ein Gutachter hatte deshalb in den letzten Wochen eine Betriebsinventur vorgenommen. Hierzu hat er in einem Stichprobenraster den Bewuchs im Gemeindewald vermessen. Aufgrund dieser Ergebnisse wird der Waldvorrat bewertet und im Rahmen einer Forsteinrichtung ein Vorschlag für die Bewirtschaftung in den nächsten 10 Jahren unterbreitet. Hiermit wird sich der Gemeinderat in zweiten Jahreshälfte 2020 beschäftigen.

Das beherrschende Thema für die Förster sind jedoch derzeit die Auswirkungen des Klimawandels mit Dürre und Trockenheit, welche in besonderem Maße die Entwicklung des Borkenkäfers begünstigt. Mit 4,5 Mio. Festmetern Schadholz in den Wäldern Baden-Württembergs im Jahr 2019 liegt dieser Wert auf Rekordniveau. Auch in Bingen bestimmte das sogenannte Käferholz mindestens 40% des Gesamt-Einschlags; ein noch nie dagewesener Wert. Die Prognosen für die Zukunft lassen keine Entwarnung zu. Das Rezept, dieser Entwicklung Herr zu werden, ist ein Umbau des Waldes mit zukunftsfähigen Baumarten, sowie die Stabilisierung auf beherrschbare Durchmesser und Höhen der Bäume.

War der Wald in den letzten Jahren und Jahrzenten in finanzieller Hinsicht ein wichtiger Faktor für den Gemeindehaushalt, so müssen in nächster Zukunft vermutlich kleinere Brötchen gebacken werden. Lag zum Beispiel das Holzpreisniveau für das beste Sortiment bei der Fichte im Jahr 1999 (vor Sturm Lothar) noch bei rund 90 € je Festmeter, so sank es in der Folge deutlich ab. In den sturm- und käferholzfreien Jahren 2010 bis 2017 hingegen konnte man rund 100 € einnehmen. Die Folge waren deutliche Gewinne und ein finanzieller Beitrag zu den Einnahmen der Gemeinden. Seit zwei Jahren hingegen sinken die Holzpreise mit einem Tiefpunkt in diesem Jahr von zum Teil unter 50 € je Festmeter. Teilweise ist es nicht einmal mehr möglich die Aufarbeitungskosten des Holzes wieder hereinzubekommen.

Trotz der ungünstigen Umstände warf der Gemeindewald im Jahr 2018 noch 73.000 € ab. Der Käferholzanteil lag dort noch bei kreisweit unterdurchschnittlichen 14 %. In den Jahren 2019 und 2020 erwarten die Forstfachleute allerdings gerade noch eine Null. Sofern sich die Witterungslage im Winterhalbjahr nicht bessert, was die Bodenfeuchte anbelangt, muss man für das kommende Jahr mit einer Fortsetzung der Entwicklung rechnen.

Nach den Vorträgen der Forstfachleute entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, insbesondere um die Frage, wie man auf den Klimawandel reagieren soll. Herr Scham zeigte auf, dass man sich schon seit vielen Jahren auf diese Situation vorbereitet. Die Heftigkeit der Wetterextreme in den vergangenen zwei Jahren hat die öffentliche Debatte allerdings angeheizt. Die Maßnahmen, die die Förster in Richtung Waldbau getroffen haben werden sich naturgemäß erst in vielen Jahren auswirken. Solange heißt es, Geduld zu bewahren. Der Wald braucht Zeit um zu wachsen. Anschließend segnete der Gemeinderat den Forstwirtschaftsplan 2020 mit einem erwarteten Gewinn von 10.000 EUR ab.

Leider musste sich der Bürgermeister in dieser Sitzung von zwei bewährten Forstkollegen verabschieden. Altershalber tritt Forstdirektor Jörg Scham (Bildmitte) Mitte des Jahres 2020 in den Ruhestand. Dann wird er 14 Jahre lang für die Gemeinde zuständig gewesen sein. Herr Scham ist es hervorragend gelungen, komplizierte Sachverhalte einfach und verständlich zu erklären. So verdeutlichte er immer wieder die Zusammenhänge vom Aufwuchs der Bäume bis hin zur Vermarktung der Produkte. So früh schon wies er auf die Folgen des Klimawandels und dessen Bedeutung für den Waldbau hin. Der Bürgermeister hob seine offene Art hervor und überreicht ihm als Dank ein Geschenkkorb.

Durch die Forstreform zum 01.01.2020 werden auch die Reviergrößen im Landkreis verändert. Künftig wird Förster Günther Letsch die komplette Gemeinde betreuen. Förster Lorenz Maichle, welcher neben den Gemeinden Sigmaringendorf und Scheer auch für Hitzkofen zuständig war, scheidet deshalb bei uns aus. Sein Revier erstreckt sich künftig von Sigmaringendorf bis nach Herbertingen. Bereits im Jahr 1984, also vor 35 Jahren, übernahm Lorenz Maichle den Hitzkofer Wald. Mit großem Sachverstand übte er dieses Amt aus. „Unser Wald war in guten Händen“, lobte ihn der Bürgermeister. Auch Lorenz Maichle erhielt ein Abschiedsgeschenk der Gemeinde.

Abwassergebühren steigen
Im dreijährigen Rhythmus kalkuliert die Gemeindeverwaltung die Abwassergebühren neu. Durch die Zusammenfassung mehrerer Jahre werden Sprünge vermieden und mehrere Faktoren geglättet. Der gravierendste Einflussfaktor auf die künftige Kalkulation ist der Kostenanteil für das ehemalige Kasernengelände, welches an die Kläranlage in Sigmaringendorf angeschlossen ist. Durch den deutlichen Rückgang der Belegungsstärke im Gegensatz zu früheren Jahren wird der Abrechnungsschlüssel für die Stadt Sigmaringen günstiger als in den Vorjahren. Durch den hohen Fixkostenanteil auf der Kläranlage müssen deshalb die Gemeinden Sigmaringendorf und Bingen künftig tiefer in die Tasche greifen. Trotz weiterer Einflussfaktoren, welche teilweise auch gebührenmindernd wären, verbleibt bei der Schmutzwassergebühr unter dem Strich eine Belastung von 12 Cent pro Kubikmeter. Auch der Niederschlagswasseranteil müsste um 1 Cent pro Quadratmeter angehoben werden, um volle Kostendeckung zu erreichen. Gemeindekämmerer Robert Kromer zeigte den Gemeinderäten die Herleitung der Gebührenobergrenze. Mit einem Vergleich unter den Kreisgemeinden machte er außerdem deutlich, dass man selbst nach einer 5%-igen Gebührenerhöhung unter dem Durchschnitt liegt.

Nach der Aussprache beschloss der Gemeinderat die Erhöhung der Abwassergebühren zum 01.01.2020 von 2,45 EUR/m³ auf 2,57 EUR/m³ (Schmutzwasser) und von 0,41 EUR/m² auf 0,42 EUR/m² (Niederschlagswasser). Die entsprechende Änderung der Abwassersatzung ist an anderer Stelle im Blättle veröffentlicht.

Baugesuche
Der Gemeinderat erteilte das Einvernehmen zum Bau eines Einfamilienwohnhauses im Alemannenweg sowie zur brandschutztechnischen Ertüchtigung der Grundschule.

Deckreisig

Im Gemeindewald Bingen  kann an liegenden Fichten und Tannen Deckreisig geschnitten werden. Die Bäume wurden im Distrikt 4 Hitzkofen  Abteilung  5 Unterer Brentenhau gefällt.

Bitte beachten sie die Absperrungen!