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Johannes Schreck zählt zu den genialsten und vielseitigsten Gelehrten des 17. Jahrhunderts. Lange war er fast völlig unbekannt, da er seine wissenschaftlichen Leistungen nicht in Europa vollbrachte, sondern als Missionar in China. Erst 2003 entdeckte man seinen Heimatort: Bingen bei Sigmaringen.
Erst vor Kurzem stießen wir auf das Bild eines Jesuitenmissionars in chinesischen Gewändern, welches Peter Paul Rubens gezeichnet hat (siehe Bild rechts). Das Bild ist nicht mit dem Namen des Gezeichneten versehen. Dennoch geht man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich um Johannes Schreck handelt. Rubens zeichnete nämlich eine handvoll Jesuitenpater der Chinamission, die zusammen mit Nicolas Trigault auf einer Reise durch Europa für ihre Mission warben. Nur ein oder zwei Bilder konnten nicht zugeordnet werden.
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Peter Paul Rubens |
Nach seinem Studium an der Universität Freiburg (1590-1596) finden wir ihn 1603 als Student der Medizin in Padua und als Schüler und Freund Galileo Galileis (Bild links).1611, vor genau 400 Jahren, trat er in den Jesuitenorden ein und bereitete sich vor auf seine Tätigkeit als Missionar in China.
1618 erreichte er Goa in Indien. Hier begann er die Arbeit an einer großen Enzyklopädie asiatischer Pflanzen, seinem Lebenswerk, das leider verschollen ist. In Macao (1619-1621) gelang ihm bei einer Obduktion seine größte Entdeckung in der Medizin, die Lungen zerstörende Wirkung des Tabaks.
Seit 1623 lebte er in Beijing. Dort schrieb er 1626 mit seinem Freund Wang Zheng ausgehend von europäischen Büchern über Mechanik ein reich illustriertes chinesisches Lehrbuch des europäischen Maschinenbaus „Die wunderbaren Maschinen des fernen Westens in Wort und Bild“ (aus dem Buch: siehe Abbildung rechts). Es ist eine Pionierleistung, das erste erfolgreiche wissenschaftliche Projekt eines deutschen Gelehrten und eines chinesischen Kollegen.
Schreck brachte das galileische Fernrohr nach China, konstruierte präzise astronomische Instrumente, schrieb mit seinem Mitbruder Adam Schall chinesische Lehrwerke der Trigonometrie und legte so Grundlagen der modernen Astronomie in China. Als er 1629 eine Sonnenfinsternis genau vorausberechnet hatte, erhielt er im Namen des Kaisers den Auftrag, die chinesische Kalenderreform durchzuführen.
Am 11. Mai 1630 starb er – möglicherweise als Opfer eines medizinischen Selbstversuchs. Auf dem Friedhof Zhalan in Beijing wurde er begraben. Die lateinische Inschrift auf seinem Grabstein (Bild) würdigt ihn als „vir in omni scientia egregie doctus“, als hervorragenden Gelehrten auf allen Gebieten der Wissenschaft.
Doch Schreck war mehr als ein Wissenschaftler. Zusammen mit seinen Mitbrüdern aus dem Jesuitenorden war er einer der Architekten einer kulturellen Brücke zwischen Europa und China, wie sie in der Geschichte ohne Beispiel ist.
Prof. Dr. Erich Zettl von der Hochschule Konstanz schrieb ein Buch über Johannes Schreck (Bild). Das 104-seitige Werk ist bei der Gemeindeverwaltung Bingen zum Preis von 10 EUR erhältlich.
Kontakt:
Bürgermeisteramt
Hauptstraße 21
72511 Bingen
Tel. 07571 74070
Fax. 07571 740740
Nützliche und informative Links zum Thema:
Wikipedia über Johannes Schreck
Fachhochschule Konstanz zum Thema Johannes Schreck
Über den Jesuitenfriedhof in Peking (leider ist Schreck nicht erwähnt)